In den letzten Jahren sind die Lieferketten der Automobilindustrie aufgrund geopolitischer Instabilität, steigender Rohstoffpreise und immer strengerer Vorschriften stark unter Druck geraten. Wie lassen sich also Ihre Logistikprozesse sichern und Stillstandzeiten in der Produktion verhindern? Lernen Sie effektive Strategien und technologische Lösungen kennen, die Antworten auf diese Herausforderungen geben!
Die größten Herausforderungen für die Lieferkette von Automobilkomponenten
Die schwierige geopolitische Lage in vielen Regionen der Welt, wiederkehrende Naturkatastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel oder Pandemien stellen die Stabilität der weltweiten Versorgung mit Rohstoffen und Zwischenprodukten in Frage. Die Situation wird durch die steigenden Preise für die Energie, die zu ihrer Gewinnung und Verarbeitung notwendig ist, noch verschärft. All dies kann zu Stillständen und erheblichen finanziellen Verlusten führen.
Die Situation im Zusammenhang mit der begrenzten Verfügbarkeit von Mikrochips, die in vielen Teilen der Welt zur Einstellung der Automobilproduktion führte, hat gezeigt, wie wichtig eine sichere Lieferkette für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist. Die Abhängigkeit von einzelnen Unterlieferanten birgt das Risiko, dass es nicht nur zu Verzögerungen, sondern sogar zu Produktionsunterbrechungen kommt, falls es bei wichtigen Partnern Probleme geben sollte. In der heutigen, immer komplexer werdenden Welt können es sich Unternehmen der Automobilindustrie nicht mehr leisten, auf fortschrittliche Systeme zu verzichten, die eine Abbildung des Produktionsprozesses sowie eine digitale Überwachung und Verwaltung der Lieferungen ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sie nun auch neue Umweltvorschriften in Bezug auf das Recycling, den CO2-Fußabdruck der Produktion oder ESG-Anforderungen (Environmental, Social and Governance) einhalten müssen, was die Notwendigkeit mit sich bringt, die Herkunft von Rohstoffen und Halbfertigprodukten zurückzuverfolgen.
Strategien zur Stärkung der Beständigkeit der Lieferkette
Die einfachste und wirksamste Art, mit der Unsicherheit in vielen Regionen der Welt umzugehen, ist die geografische Diversifizierung der Lieferanten. Durch die Zusammenarbeit mit Partnern, die in unterschiedlichen Märkten tätig sind, wird das Risiko einer Unterbrechung der Versorgung mit den erforderlichen Rohstoffen und Komponenten im Falle einer möglichen Störung in einem dieser Märkte minimiert. Eine gute Lösung kann auch darin bestehen, nach lokalen Unterlieferanten zu suchen. Dies verkürzt die Transportwege, senkt somit die Kosten und ermöglicht ein flexibleres Liefermanagement. Die Zusammenarbeit mit mehreren Lieferanten erfordert die Implementierung von Lösungen zur Überwachung der digitalen Lieferung in Echtzeit. Der Einsatz neuester IT-Lösungen und Errungenschaften der Industrie 5.0, wie beispielsweise ERP, KI oder Big Data-Analysen, ermöglicht eine reibungslose Verfolgung des Rohstoffflusses und sogar die Erkennung potenzieller Gefahren. Künstliche Intelligenz analysiert automatisch Risiken und ermöglicht Ihnen, im Voraus auf mögliche Verzögerungen zu reagieren.
Außerdem ist es ratsam, auf bewährte Logistikunternehmen zurückzugreifen, die Flexibilität bieten. Durch eine schnelle Änderung der Lieferrouten und eine Diversifizierung der Transportmethoden können Ausfallzeiten vermieden werden. Allerdings ist es auch in Situationen erhöhten Risikos ratsam, strategische Rohstoffvorräte vorzuhalten. Zu diesem Zweck ist es notwendig, entsprechende Lagerräume bereitzustellen, in denen die für die Aufrechterhaltung der Produktionskontinuität notwendigen Schlüsselkomponenten gelagert werden können. Dies ist Teil des Just-in-Case-Modells, das die klassische Just-in-Time-Strategie ablöst.
Einsatz neuer Technologien im Liefermanagement
Künstliche Intelligenz unterstützt bereits viele Hersteller bei der Optimierung von Routen und der Vorwegnahme von Problemen in der Lieferkette. Richtig konzipierte Algorithmen verarbeiten riesige Datenmengen und empfehlen automatisch alternative Bezugsquellen. Intelligente Transportsysteme können außerdem Routen in Echtzeit optimieren, um Verzögerungen zu vermeiden. Auch in intelligenten Logistikprozessen spielt die Blockchain-Technologie heute eine wichtige Rolle. Die digitale Datenkette ermöglicht vollständige Transparenz über den Fluss der Komponenten und eliminiert das Betrugsrisiko. Eine virtuelle Zusammenarbeitsplattform ermöglicht eine schnellere Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Produktqualität oder Reklamationen. Neben den externen Prozessen ist die effiziente Steuerung der Intralogistik, unter anderem durch die Automatisierung von Lagern und Transportprozessen, ein wesentlicher Aspekt. Roboter können 24 Stunden am Tag Lieferungen abwickeln und so die Betriebskosten senken.
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Eine nachhaltige Lieferkette – neue Anforderungen und Vorteile
Ein unbestreitbarer Einfluss auf die Entwicklung sicherer Lieferketten ist heute der ESG-Ansatz. Die in der Europäischen Union geltenden Umweltvorschriften erzwingen die Verringerung des Kohlenstoff-Fußabdrucks – nicht nur in der Produktion, sondern auch im Transport. Ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement wird auch von Kunden und Investoren erwartet, die auf dieser Grundlage häufig ihre Entscheidung über den Kauf eines Produkts oder die Zusammenarbeit mit einem potenziellen Geschäftspartner treffen. Die Umsetzung von Strategien für einen umweltfreundlichen Verkehr wird daher immer notwendiger. Hierzu zählen unter anderem die Nutzung emissionsarmer Verkehrsmittel und die Optimierung der Fahrtrouten hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs. So kann beispielsweise der emissionsintensive Luft- und Straßenverkehr durch den Schienen- und Seeverkehr ersetzt werden. Zu einer nachhaltigen Lieferkette gehört auch eine Produktion, die auf Abfallminimierung und Recycling von Rohstoffen achtet. Die Wiederverwendung von Materialien aus gebrauchten Produkten oder Produktionsabfällen steht in vollem Einklang mit den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft und wird von vielen Produktionsunternehmen genutzt. Renault hat zum Beispiel die Initiative „RE-Factory“ ins Leben gerufen, um die erste europäische Anlage zu schaffen, die sich ausschließlich der Fahrzeugaufbereitung, dem Recycling von Batterien und Komponenten sowie der Umrüstung von Fahrzeugen auf Elektroantrieb widmet. General Motors hingegen hat ein „Zero Waste“-Programm eingeführt, um die Menge der zu deponierenden Abfälle zu verringern. Das Unternehmen recycelt und verarbeitet Metall, Kunststoff und Textilien.